Tag 19 – Tongariro Alpine Crossing

Heute stand unsere bisher längste Wanderung an. Länger und anstrengender als der Aufstieg auf den Tafelberg in Südafrika. Tongariro Alpine Crossing: 19,4 km lang und mit einer zu bewältigenden Höhendifferenz von 1.190 Metern.

Wir hatten uns für 8 Uhr einen Shuttle Service gebucht, der uns zum auf 1.129 m Höhe gelegenen südlichen Startpunkt in Mangatepopo brachte. Wir starteten gegen 8:50 mit vielen anderen Touristen … es waren Hunderte. Ein Grund war sicherlich auch der Samstag. Am Wochenende sind ebenfalls viele Neuseeländer auf dem Track unterwegs. Unvorstellbar, was hier in der Hochsaison los sein muss.

Um dem Rummel zu entgehen, gibt es eigentlich nur 2 Optionen. Nimm den ersten Shuttle um 6 Uhr oder den letzten um 10:30 Uhr. Zurück fährt das Shuttle stündlich ab 13:30 Uhr. Der letzte „Besenwagen“ fährt dann um 18:00 Uhr. Wir hatten den Rücktransport um 15:30 Uhr beim Start angepeilt, da wir überall lasen, dass man mit 7-8 Stunden, inkl. Pausen und Fotografieren rechnen muss. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Es waren Wolken und wenig Wind angesagt. Je nach den Verhältnissen auf dem Gipfel kann es sogar sein, dass die Shuttles einen gar nicht erst zum Startpunkt bringen.

Nach einer kurzen Einweisung beim Start durch unseren Fahrer über die Dos and Don’ts ging es zunächst recht entspannt für ca. eine Stunde voran zu den Soda Springs mit leichten Anstiegen umgeben von Hügeln und Bergen, die schon sehr ansprechend aussahen. Es war ein einfacher Weg, teilweise sogar auf einem befestigten Holzsteg. Wir hatten schon nach kurzer Zeit einen tollen Blick auf den Mount Ngauruhoe – bzw. den als Schicksalsberg bekannten Mount Doom aus „Herr der Ringe“.

Dann begann das Gelände deutlich steiler zu werden und auch die Abstände zwischen den Touristen wurden geringer. Der Aufstieg zum South Crater stand an. Es sind zwar nur 200 Höhenmeter, diese werden aber nicht zu Unrecht als „Devils Staircase“ benannt. Treppen, Treppen und nochmal Treppen. Wir kamen das erste mal ins Schwitzen. Aber wir hatten weiterhin den Mount Ngauruhoe im Blick, der nun deutlich farbiger erschien, als noch von unten. Ein sensationeller Farbenwechsel zeichnete sich ab.

Nach dem South Crater gab es bis Ende 2017 noch die Möglichkeit den Mount Ngauruhoe zu besteigen. Wobei es mehr ein „Kriechen auf allen Vieren“ war, wenn man den Berichten glauben darf. Leider ist dies nicht mehr erwünscht. Offiziell heißt es, dass man den Berg respektieren soll, da er heilig ist. Bei den Massen der Menschen, welche in der Vergangenheit versucht haben die ca. 600 Meter nach oben (ohne Weg auf purem Geröll) zu kraxeln und die ein oder andere Geröll-Lawine ausgelöst haben, kann man durchaus verstehen, dass man dies irgendwann unterbinden musste. Schade … immerhin ist es ein echter, noch aktiver Krater.

Wir liefen weiter auf der flachen Ebene des South Crater zum Red Crater. Gegen Ende wurde es wieder steiler und man musste auf dem Lehmboden schon aufpassen, wohin man die Füße setzt, da es stellenweise doch sehr rutschig war. Es wurde nun auch deutlich kälter und windiger. Wir hatten uns vorsichtshalber Handschuhe mitgenommen. Gefühlt lag die Temperatur dort bei ca. 1 Grad. Der Ausblick auf den Mount Ngauruhoe, die knallgrünen Emerald Lakes und inbesondere auf den Red Crater selbst waren jedoch unbeschreiblich. Dieses Rot ist wirklich der Hammer.

Es folgte ein extrem steiler Abstieg zu den Emerald Lakes. Hier gab es keinen Weg mehr, nur Geröll. Die Touris gingen im Zick-Zack. Wir stemmten unsere Hacken in den Boden und liefen – so gut es ging – an ihnen vorbei. Erst passierten wir den großen Emerald Lake. Dieses knallige Grün ist der Wahnsinn. Auf der rechten Seite dampft zudem der halbe Berg in orangenen Tönen an den Stellen, wo sich der heiße Dampf aus dem Inneren der Berge den Weg nach Oben bahnt. Nicht vergessen – wir befinden uns auf dem Volcanic Plateau der Nordinsel. Dies signalisierte auch der Schwefelgeruch, welcher permanent in der Luft lag. Am kleineren, wunderschönen Emerald Lake haben wir kurz gerastet und etwas gegessen. Dort gab es einen Weg Richtung Okutere Hütte, dem wir ein wenig folgten, da er einen unglaublichen Blick über das umliegende Tal preisgab.

Weiter ging es mit einem erneuten, steilen Aufstieg dann zum Blue Lake, welcher ebenfalls heilig ist (wie irgendwie alles hier). Man darf ihn nicht berühren oder in seiner Nähe essen / trinken. Der See ist riesig und strahlt eine wirklich Ruhe – so weit oben – aus. Man muss hier einfach mal kurz verweilen und die Umgebung auf sich wirken lassen. Auch der Ausblick auf den Lake Rotoaira und den größten See Neuseelands, den Lake Taupo ist umwerfend.

Es war mittlerweile ca. 12:30 Uhr und nun ging es zum Abstieg … eigentlich nur noch bergab, teilweise steil, teilweise mit vielen Stufen oder einfach nur auf befestigten Wegen. Wir hatten noch ca. 9 km vor uns und wollten den 15:30 Bus erreichen. Nach etwa einer halben Stunde bergab merkt man so langsam die Belastung auf Hüfte und Knien. Das drückt schon ordentlich. Zudem läuft man komplett ungeschützt vor den Sonnenstrahlen, welche so langsam ihre Wirkung zeigen. Wir entschieden uns immer wieder zwischendurch mal zu joggen, da dies gefühlt deutlich angenehmer war. Am Ende geht es noch durch ein Wäldchen, in dem ein kleiner Bach fließt, den man auch das ein oder andere Mal kreuzt.

Wir erreichten den nördlichen Endpunkt des Tongariro Alpine Crossing dann um 14:15 Uhr. Dank unseres rasanten Abstiegs brauchten wir insgesamt 5,5 Stunden mit allen Pinkel-, Foto- und Essenspausen. Somit schafften wir sogar noch den Shuttle um 14:30 Uhr und waren dann froh gegen 15:15 Uhr wieder in unserer Lodge zu sein.

Summary. Absolut lohnenswert, aber auch durchaus anspruchsvoll! Ein Muss, wenn man sich fit fühlt.

Den Rest des Nachmittags haben wir dann zur Erholung genutzt. Abends ging es wieder in das nahe gelegene Eivins Restaurant. Das leckere Abendessen hatten wir uns heute wirklich verdient. Es gab leckeren Burger und Steak, sowie noch einen schokoladigen Nachtisch für Martina.

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